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Ausstellung zur Kykladenkultur im Badischen Landesmuseum Karlsruhe | Drucken |
Freitag, den 30. März 2012 um 10:59 Uhr

Noch bis zum bis 22. April 2012 ist die Sonderausstellung des Badischen Landesmuseums Karlsruhe: "Kykladen. Lebenswelten einer frühgriechischen Kultur" im Karlsruher Schloss zu sehen. Bekannt ist die Kultur der Kykladen vor allem durch die charakteristischen Idole aus Marmor, deren abstrakte Schönheit einige der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts inspirierte. Diese Figuren stehen jedoch für mehr – sie sind Zeugen einer hoch entwickelten Kultur, die den Beginn eines neuen Zeitalters markiert: der Bronzezeit. In mehreren Themenbereichen gibt die Ausstellung einen Überblick über die Kykladenkultur und ihre Zeit. Zahlreiche Originalobjekte aus ganz Europa sowie eigens angefertigte Modelle veranschaulichen die Lebenswelt auf den griechischen Inseln der frühen Bronzezeit. Durch die Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Altertumswissenschaften der Universität Heidelberg können dabei neueste Forschungsergebnisse präsentiert werden.

 

Der Name "Kykladen“ geht auf das griechische Wort kyklos, Kreis, zurück, da die Inseln kreisförmig um Delos, die heilige Insel des Apollon, angeordnet sind. Wichtige Rohstoffe, wie verschiedene Gesteine, aber auch Erze zur Metallgewinnung, gehörten neben den Ressourcen des Meeres zum natürlichen Reichtum dieser Inseln in der Ägäis und lockten die ersten Siedler an. Um 3000 v. Chr. ging auf den Kykladen die Steinzeit zu Ende und es begann eine Entwicklung, die von dort ausgehend schließlich auf den gesamten europäischen Raum wirkte. Neben den Waffen und Werkzeugen aus dem neuen Material Bronze, das die bisher genutzten Steinklingen ersetzte, gab es weitere entscheidende technische Neuerungen. So bauten die Bewohner der Kykladen seetüchtige Schiffe, die es ermöglichten, Rohstoffe und Waren nicht nur von Insel zu Insel zu tauschen, sondern Handel bis an die Küste Kleinasiens zu treiben. Die Bedeutung der Seefahrt für den Aufstieg der kykladischen Kultur wird in der Ausstellung unter anderem anhand des rekonstruierten Modells eines kykladischen Langbootes veranschaulicht. Alltagsgegenstände wie Werkzeuge und Gebrauchsgeschirr, vor allem aber die eindrucksvollen Prunkgefäße aus Marmor zeugen von der hohen Handwerkskunst der Inselbewohner.

 

Schlicht und klar, nahezu abstrakte Formen im strahlenden Weiß griechischen Marmors – so sind die Idole der Kykladen überliefert worden. Nach den ersten Funden im 19. Jahrhundert noch als "Scheusale“ betrachtet, erfuhren sie erst durch die Künstler der Moderne wie Picasso oder Henry Moore Wertschätzung als eigenständige Werke von großer Schönheit. In der Ausstellung ermöglichen Originalwerke berühmter Künstler den direkten Vergleich mit ihren kykladischen Vorbildern. Deren Aussehen weckt jedoch falsche Vorstellungen, denn wie die Forschungen zeigen, waren die Idole keineswegs marmorweiß, sondern vielmehr bunt bemalt. Die Farbspuren reichen dabei von körperlichen Details wie Augen über Linien und Punkte, die Schmuck oder Körperbemalung darstellen, bis zu Zickzacklinien und Streifen. Zum Teil waren die Bemalungen mehrfach verändert oder erneuert worden. Dies wirft auch ein Licht auf die mögliche Verwendung der Figuren, die lange Zeit im Dunkeln lag: die Ausstellungsmacher deuten die Idole als Kultobjekte, die als Mittler zwischen den Menschen und der spirituellen Welt dienten. Die Bemalung ist vermutlich Spiegelbild des Lebenszyklus ihres Besitzers und symbolisiert Phasen und Momente, die göttlichen Beistands bedurften. Daher zeigt das Badische Landesmuseum neben herausragenden Originalobjekten auch Repliken mit rekonstruierter Bemalung, die ein Bild davon vermitteln, wie die Idole einst ausgesehen haben.

 

Da aus der Kykladenkultur keine Schrift überliefert ist, können nur die archäologischen Funde Aufschluss über Glauben und Weltvorstellungen jener Menschen geben. So präsentieren die Ausstellungsmacher Grabbeigaben, Kultplätze und Opfergefäße sowie die rätselhaften sogenannten "Kykladenpfannen" und gehen ihrer Bedeutung sowohl im religiösen Leben als auch im Alltag nach. Neben den kunsthistorischen und archäologischen Aspekten ist schließlich auch die Entdeckungsgeschichte der Kykladenkultur sowie die Geschichte vom Sammeln
von Kykladenobjekten Gegenstand der Ausstellung. Dabei wird auch das spannende Thema Raubgrabungen und illegaler Kunsthandel nicht umgangen. Mehr zu der Ausstellung erfahren Sie auf der Webseite des Badischen Landesmuseums.

 

Kykladen, Badisches Landesmuseum, Karlsruhe, VISITATE

 

Nachbildung einer großformatigen Kykladenfigur im
Badischen Landesmuseum mit rekonstruierter und
ergänzter Bemalung. Der Farbauftrag orientiert sich
an den Verwitterungsreliefs der Marmoroberfläche,
die an der originalen Skulptur aus dem 3. Jt. v. Chr.
vor allem an der linken Gesichtshälfte nachweisbar sind.
Badisches Landesmuseum Karlsruhe
(Bild: Thomas Goldschmidt)

 
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